..und eigentlich hatten wir das auch schon längerer Zeit erwartet, denn bis jetzt hatten wir von der Monsunzeit außer ein paar Regenschauern die nicht länger als 10 bis 15 Minuten gedauert haben nicht viel mitbekommen. Aber alles der Reihe nach….
Auch einen Tag nach meinem Abbruch des Tagesprogramms aufgrund von Unwohlsein bin ich noch im Bett gelegen um mich auszukiereren. So habe ich auch den darauf folgenden Vormittag auf dem Zimmer verbracht. Zu Mittag ging es mir dann soweit gut, dass ich beschloss mich wieder den Mädels anzuschließen, den Spaß eines Bollywood-Tanzkurses wollte ich mir dann doch nicht entgehen lassen. Der ging aber dann teilweise so schnell voran das man sich die Schritte kaum merken konnte, außerdem schien der Choreograph ein kleiner Perfektionist zu sein. Naja, lustig war es allemal, was man uns aber auch bei jedem Aufenthalt in einem Auto oder Zug anmerkt. Da fangen alle immer ganz alleine an ein paar der „Schritte“ zu wiederholen, aber natürlich nicht ohne einem gehörigen Grinser im Gesicht ;)
Nach diesem Kurs wollten wir unbedingt mal in ein echtes indisches Kino. Das wir vermutlich kein Wort verstehen würden war uns herzlich egal, es ging um die Atmosphäre, und die war echt toll. Es spielte eine Komödie namens „Ready!“ , der Eintrittspreis waren 50 Rupien ( ca. 80 Cent ) und Beginn der Nachmittagsvorstellung war um 15:30 Uhr. Die Inder scheinen alle sehr begeisterte und mitfiebernde Zuseher zu sein. Es wurde lauthals Gelacht, Beifall geklatscht wenn eine Szene gelungen war und es gab Pfiffe wenn die für indische Verhältnisse knapp angezogene Hauptdarstellerin dem Gegenpart schöne Augen machte. Ich hätte zu diesem Zeitpunkt gerne etwas Hindi gesprochen, der Film war selbst ohne das meiste zu verstehen wirklich lustig und unterhaltsam. Ich ging anfangs mit einer eher skeptischen Haltung ins Kino, kam aber gänzlich begeistert wieder raus.
Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen, denn unser Zug nach Pushkar ging wieder mal ziemlich zeitig. Die Fahrt dauerte knapp zweieinhalb Stunden und war sehr angenehm. Außerdem - Yiepiee - gings mit zu dem Zeitpunkt schon wieder richtig gut! Appetit, Reiselust sowie Tatendrang meldeten sich mit voller Kraft zurück. Da waren sogar meine lieben Mitreisenden etwas überrascht wie energetisch ich von einer Stunde auf die andere geworden war. He, aber so is das eben bei mir ;)
Puskar ist eine kleine Stadt die an einem See und am Rande der Wüste angelegt ist und die bis jetzt die idyllischste Atmosphäre geboten hat. Nach den ganzen Großstädten war es echt eine Befreiung nicht an jeder Straßenecke angesprochen zu werden. Man wird zwar genau so beäugt wie überall anders auch, aber die Menschen wirken freundlicher und herzlicher als in Delhi oder Agra. Das soll nicht heißen das die Menschen dort unfreundlich gewesen sind, aber es fehlt dieses Gefühl, das einem sagt sie wollen die die ganze Zeit nur etwas verkaufen. Es ist entspannter und so ist es auch leichter mit Leuten einfach ein Gespräch zu beginnen.
Wir starteten am Nachmittag, nachdem die größte Mittagshitze abgeklungen war, eine Safari in die Wüste, originalgetreu auf dem Rücken von Kamelen. Ich kann euch sagen, das ist ganz schön hoch und holprig da oben. Es ging zuerst durch die Stadt durch enge Gassen bevor wir die Strasse aus Pushkar nahmen und dann seitlich in die Wüste abbogen. Zuvor hatte es schon einen kleinen Regenschauer gegeben, der aber wie alle anderen zuvor nicht lange angehalten hatte, dafür aber die Luftfeuchtigkeit über alles Maße hinaus nach oben katapultierte. Die Kleindung klebt am Körper und man schwitzt ohne sich zu bewegen. Da hilft nur sich in den Luftstrom eines Ventilators zu retten, wo keiner zur Verfügung steht….Pech gehabt, da muss man durch. Allerdings hatten wir die Vermutung, dass die schwarze Wolkenwand die nun auf uns zukam, wohl mehr als ein kurzer, kleiner Schauer sein würde. Nach ungefähr 30 Minuten in der Wüste brach ein Sturm los, vor dem wir uns in letzter Sekunde noch in einen Unterstand retten konnten. Die Idee hatten aber natürlich nicht nur wir. Wir fanden bereits eine Gemeinschaft Schafhirten, lokale Leuten und Safariguides vor. Die Schafhirten hatten ein 4 Stunden altes Lamm dabei, das sie mitgenommen hatten um es nicht sofort dieser Witterung auszusetzen. Sie interessierten sich ziemlich für unsere Kameras. Am Anfang waren sie etwas zurückhaltend, dann aber kaum noch zu bremsen als sie ihren eigenen Bilder am Monitor sahen. Aber sie sorgten auch dafür, dass der Unterschlupf nicht von Ziegen gestürmt wurde! Die mochten den Regen genau so wenig wie wir und hätten uns wohl raus gedrängt wenn sie nicht herzhaft eingeschritten wären.Ca. eine Stunde vor Sonnenuntergang kamen wir in unserem Zeltlager in der Wüste an. Der Regen war vorüber gegangen und es hatte wunderbare Temperaturen die gerade dazu einluden bis spät in die Nacht draußen zu sitzen. Unsere Guides bereiteten über offenem Feuer ein tolles Abendessen zu, das für jeden Geschmack etwas parat hielt. Es gab Hühnchencurry, Kartoffeln, Reis, frisch gemachte Fladenbrote Gemüseeintopf und anderem... und es war ausgezeichnet. Soviel habe ich die gesamte Reise noch nicht gegessen. Wir saßen danach noch länger vor den Zelten, haben geplaudert und uns die Zeit bis zum Schlafengehen vertrieben. Die Bettlager waren durch den Monsun ein wenig nass geworden, was das liegen zwar nicht besonders angenehm machte, für die eine Nacht aber kein Problem darstellte.
Am Morgen standen wir um 6 Uhr auf und es ging per Kamel zurück in die Stadt, natürlich nicht ohne ein gutes Frühstück. Danach bezogen wir kurz ein Hotelzimmer um uns zu duschen, die Rucksäcke neu zu packen usw. Mich überkam aber eine derartige Schläfrigkeit das ich auf ein weiteres herumstreifen in Pushkar verzichtete und mich lieber ein wenig aufs Ohr gehauen hab.
Um 14 Uhr stiegen wir in den Zug Richtung Himachal Pradesh, eine Zugfahrt von 16 Stunden mit darauf folgenden 4 Stunden Autofahrt nach Palampur, einem Ort an den ersten Ausläufern des Himalaya gelegen.
…und in diesem Zug sitze ich immer noch. Ich werde mir jetzt dann meine Pritsche herunter klappen und mir ein paar Stunden schlaf genehmigen. Das muss ja mal sein :)










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