Freitag, 22. Juli 2011

Tag 12 – 14, In den Höhen des Himalaya …


Nachdem wir den ersten Tag damit verbracht hatten alle Geschäfte von Dharamsala zu durchstöbern, stand am nächsten Tag ein Besuch eines Tempels in der Nachtbarstadt, sowie eine kleine Wandertour zu einem nahe gelegenen Wasserfall. Der Tempel war mehreren Göttern, wie z.B. Shiva oder Khali gewidmet, und wurde in die Mitte der Stadt gebaut. Er war nicht sehr groß, jedoch gab es interessante Geschichten zu den Göttern von unserem Guide, bevor wir zu einer einstündigen Tour ins Tal aufbrachen. Der Wasserfall ist in ganz Indien ziemlich berühmt und wir waren die nicht die einzigen Touristen auf dem Weg dorthin, sehr wohl aber die einzigen die nicht aus Indien stammten. Dermaßen viele Leute wollten Photos von uns mit ihnen, dass es teils richtig langsam voran ging ( ok, so langsam nun auch nicht, aber wir mussten wirklich viele Photosessions über uns ergehen lassen ;) ).

Danach konnten wir die Zeit nutzen, um nun die am Vortag erforschten Geschäfte zu plündern. Wer sich fragt wo wir die Nächte verbringen, wir haben unser Quartier in einem für Indien guten Hotel bezogen, das allerdings den meisten Hotelmanagern in Europa die Haare zu Berge stehen lassen würde. Mein Zimmer hat z.B. 2 Specials:

1)      Die Bettbezüge mit den braunen Flecken. Macht wohl ein schöneres Bild als einfach nur weiß
2)      Die Klomuschel mit doppelter Spülwirkung. Spült nicht nur das Klo durch, sondern auch den Boden des Bades, da das Wasser unten einfach wieder heraus läuft

Zum Glück hab ich meine eigenen Bezüge und Badelatschen mit :P

Am nächsten Morgen wurden wir von unserem Guide abgeholt und zur ersten Station unserer nun anstehenden Trekkingtour ins Gebirge gebracht. Auf diese Tour hatte ich mich die ganze Zeit schon wahnsinnig gefreut, endlich mal den Himalaya sehen! In der Nachbarortschaft war das Hauptquartier der Organisation, die für uns alles vorbereitet hatte, um am Berg möglichst komfortabel die Nacht verbringen zu können. Na dann Berg Heil :)

Wir hatten für diese Tour nur unsere kleinen Rucksäcke gepackt und machten uns um ca. 09:30 Uhr auf den Weg. Wir starteten mit 10 Mitreisenden: Wir 3, 2 Bergguides und 5 Hunden. Die streunenden Hunde die es überall in Indien zu hauff gibt, haben wohl herausgefunden, das es bei Touristen mit weißer Hautfarbe immer was zu holen gibt. Unsere Guides meinten, dass es völlig normal sei am Anfang so viel Gesellschaft zu haben und sie erst im Laufe des Weges wieder umdrehen würden.

Nach 1 Stunde waren wir nur zu sechst, immerhin ein vierbeiniger Freund hatte uns die Treue gehalten und war uns brav über den steinigen und nicht zu steilen Weg durch den Wald gefolgt. Es war noch nicht allzu anstrengend, jedoch musste man sich sehr stark auf den Boden konzentrieren, da dieser mit Steinen ausgelegt worden war, damit sich der Weg bei Regen durch das viele Vieh das nach oben getrieben wird , nicht zu einem unpassierbaren Schlammpfad wurde. Wer nun denkt es handelt sich hier um schön aneinander gereihte Steine die bündig schließen, der irrt sich gewaltig. Alles was an verbaubarem Material zu finden war, war einfach eingesetzt worden, egal in welche Form und Größe. Schuhe die über die Knöchel gehen und ein tiefes Profil besitzen sind sehr zu bevorzugen.


Je höher wir stiegen, wir starteten übrigens auf knappen 2000m über Meereshöhe, desto schmaler und anspruchsvoller wurde der Pfad. Den vielen Rindern, Pferden, Esel und Schafen denen wir dabei begegneten, machte das allerdings weit weniger aus als uns. Überholt wurden wir zwar nicht, allerdings standen sie uns in Geschwindigkeit auch in nichts nach.

Wir erreichten den so genannten „Magic View“ nach ca. 2 Stunden und hielten dort unsere erste – und auch einzige – längere Pause ein. Viel Magie bot die Aussicht allerdings wie schon den ganzen vorherigen Weg nicht. Wir gingen mitten in Wolkenschwaden, die der Wind immer wieder die Berge hinauf trieb und man konnte nur erahnen was sich wohl hinter dem grauen Teppich verborgen hält. Nur ganz selten hatte man kurzzeitig ein paar hundert Meter Sichtweite und konnte den Pfad den man herauf gewandert war hinter sich entdecken. Er führte meistens an der Bergseite entlang, wo er sich langsam nach oben schlängelt und so die Höhe überbrückt. Die Nebelschwaden waren außerdem empfindlich kalt und feucht, was es einem unmöglich machte zu lange Verschnaufpausen einzulegen, da man sofort zu frösteln begann. Gleichzeitig schwitzte man allerdings unaufhörlich während des Aufstieges. Eine Kombination die sicherlich nicht optimal ist.

Nach viereinhalb Stunde standen wir in Triund, einem Bergkamm auf knapp 3000 Meter, das auch gleichzeitig das Ziel unseres Trips darstellte. Ich war eher milde begeistert; außer einer grauen kalten Wand war nichts zu erkennen und die paar aufgestellten Steinhütten die mit Plastikplanen überspannt waren, wirkten nicht gerade einladend, obwohl heißer Tee angeboten wurde. Zu allem Überfluss begann es auch och zu regnen, was weiter zu einer eher getrübten Stimmung beitrug. Wir wanderten von dort ca. 300 Meter weiter auf dem Kamm bergab, wo wir dann unsere Behausung für die Nacht vorfanden; eine etwas größere Steinhütte mit ein paar Zimmern, die Bettgestelle und Matratzen bereithielten. Der Himmel hatte mittlerweile alle Register gezogen und es schüttete aus Kübeln. Wir konnten also nur auf der kleinen Veranda sitzen, Tee schlürfen und warten. Aber nach und nach klarte es auf und wir konnten immer mehr von der Umgebung entdecken. Das Blick auf das darunter liegende und die Bergspitzen danach wurde freigegeben, da konnte man dann das erste mal die wahren Ausmaße dieses Gebirgskette erahnen. Als sich die Wolken immer mehr verzogen und sogar die Sonne raus kam, war der ganze ein wenig angesammelte Frust der letzten Stunden vergessen. Solange es möglich war lagen wir einfach nur auf Steinen herum, genossen die Aussicht und die Sonne. Der Aufstieg war mehr als nur gerechtfertigt gewesen.


Extra für uns war ein Koch nachgekommen, der uns auf einer kleinen Feuerstelle im Haus ein heißes Abendessen zubereitete. Um uns die Zeit zu vertreiben haben wir uns zu ihm in die Küche gesetzt und mit ihm geplaudert, so gut es sein Englisch zugelassen hat. Außerdem konnten wir auch mit einem Tibeter reden, der mit ein paar anderen Leuten ebenfalls die Hütte als Schlafplatz aufgesucht hatte.

Am nächsten morgen ging es nach einem herzhaften Frühstück wieder hinunter…. Und der Abstieg war meiner Ansicht nach bedeutend anstrengender als der Aufstieg. Die Knie haben am Ende ganz schön geschmerzt, und auch das Wetter hatte sich wieder in sein typisches Grau gekleidet. Wir kamen um 13:00 Uhr wieder in Dharamsala an und wurden gegen 16:30 Uhr von unserem Guide samt Taxi abgeholt. Mit dem ging es dann wieder zurück zum Idex Camp nach Palampur.

Es ist schwer die Eindrücke zu beschreiben die während eines solchen Trips alle auf einen einwirken. Gerade für mich, der immer schon einmal den Himalaya sehen wollte, war es ein Erlebnis das sich tief festgesetzt hat. Nun hab ich nur noch ein Problem… Ich will sicher bald wieder hin :)

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